Fast, ganz oder gar nicht

Von Raunzern, die unbedacht aufspringen und fasten.

Ein Raunzer braucht meist lange bis er an seinem beraunzten Zustand etwas ändert. Doch wenn er dies tut, dann schießt er gerne übers Ziel hinaus. Zur Zeit besonders beliebt: Extremfasten – ohne Vorbereitung und ohne Sinn.


„So kann’s nicht weitergehen!“ ist hierzulande als die etwas verzweifeltere Variante von „So ist es halt.“ zu verstehen. Obwohl der Satz nach Aufbruch klingt, bedeutet er meist nur den Auftakt zum eventuellen Beginn der unter Umständen möglichen Veränderung. Freilich wäre der Kläger (im Folgenden auch Raunzer oder Suderant genannt) selbst für jede Verbesserung zu haben, doch dummerweise liegt es ja nie an ihm, diese herbeizuführen. Tausende Menschen oder Dinge halten ihn davon ab und scheinen auf nichts mehr abzuzielen, als ihm ein Handeln unmöglich zu machen.

Üblicherweise begegnet der Suderant dieser Realität mit gebückter Haltung und leisem bis mittellautem Klagen und hin und wieder unerwarteten Schreitiraden auf dumme Passanten.
Und manchmal – wenn der Mond (un)günstig steht- meist kurz vor den ersten Schokohasen im Regal, geht’s dann richtig los. Plötzlich sitzt er hellwach im Bett und weiß, was zu tun ist. Und wenn ein Raunzer sich aufrafft, dann aber wirklich! Dann ist nix mit Lari-Fari. Wenn schon, dann g’scheit…- Wie g’scheit das wirklich ist, sei einmal dahingestellt.

Ausgezuckt

Wenn sich so einer also auf der Waage zum magischen fünften Mal eingesteht: „So kann’s nicht weitergehen!“, durchzuckt ihn unerwartet der Ehrgeiz, sich selbst und anderen die allergrößte Willensstärke zu beweisen. Und dann ist plötzlich Fasten angesagt.

Ich spreche hier nicht von Menschen, die sich wirklich etwas dabei überlegen. Auch nicht von Menschen, die eventuell aus spirituellen Gründen fasten sondern schlichtweg von Wahnsinnigen, die sich von einen auf den anderen Tag plötzlich selbst die Nahrung vorenthalten.
Irgendwann zwischen tausenden Terminen (denn klassisch faul sind die Raunzer ja nicht!) organisieren sie sich ein paar Flaschen Obstsaft und ein paar Phiolen untrinkbares Gemüsekonzentrat und natürlich reichlich Abführmittel. Damit wird der Startschuss gegeben. Aber sobald das Glaubersalz seine Schuldigkeit getan hat, läuft der Alltag weiter wie immer. Nur die Zeit vom Essen kann man nun ja auch noch fürs Arbeiten verwenden. Fünf Tage, sieben Tage, zehn Tage geht das doch locker. Und dann soll noch einmal einer sagen, dass man ein Raunzer sei! (Das ist man natürlich immer noch, aber wenn man jetzt nicht das Recht zu leiden hat, wann dann?!)

Dass das alles nichts bringt, außer einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, lila-blassbauen Krokodilen zu begegnen, ist wurscht. Dass man die paar abgenommenen Kilos nach dem Martyrium innerhalb kürzester Zeit wieder zunimmt (und natürlich noch ein paar mehr) auch.

Für Nicht- oder nur Teilzeitraunzer

All denjenigen, die jedoch ernsthaft mit dem Gedanken spielen, zu fasten (Sie sind dann vermutlich Nicht- oder nur Teilzeit-Raunzer), möchte ich folgendes mit auf den Weg geben:

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